Meinung

Nach dem FDP-Parteitag: Emanzipation mit Lindners Segen

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Anspruch und Realität klaffen bei der FDP derzeit ziemlich weit auseinander. Während Christian Lindner seine Partei in die nächste Bundesregierung führen will, deuten die Umfragen eher auf einen Nahkampf mit der Fünf-Prozent-Hürde hin. Für die Liberalen geht es womöglich um alles oder nichts.

Gerade deshalb ist die Entscheidung der FDP, sich strategisch breiter aufzustellen und neue Bündnismöglichkeiten zu erschließen, eine kluge.

Im Inneren ist die Partei – was wegen der Dominanz des Chefs weithin unbemerkt blieb – ohnehin deutlich vielfältiger als sie erscheint. Nicht wenige in der zweiten Reihe ticken sozialliberal, denken Ökologie und Ökonomie zusammen, wollen der FDP im Grundsatz ein empathischeres Gesicht verpassen.

Ein Stück weit von Lindner emanzipieren

Unter anderem mit der Wahl des rheinland-pfälzischen Ampel-Fans Volker Wissing zum Generalsekretär bekommt dieser bisher wenig beleuchtete Teil der FDP ein bundesweites und qua Amt zumindest potenziell gut wahrnehmbares Gesicht. Es ist der Versuch, sich – mit Lindners Segen – ein Stückweit von Lindner zu emanzipieren. Für den nicht mehr gänzlich unumstrittenen Parteichef dürfte es eher strategische Notwendigkeit als Herzensanliegen sein. Auch, um sich selbst im Amt zu halten.

Nun wird es darauf ankommen, wie viel Raum Lindner seinem neuen General lässt und darauf, wie glaubhaft Wissing den anderen Teil der FDP verkörpert. Geht es gut, ist das nicht uninteressante Modell einer Ampel-Regierung im nächsten Jahr zumindest nicht ausgeschlossen. Ein zweites Mal wird die FDP die Chance aufs Regieren mit Sicherheit nicht liegen lassen.

Marcus.Maeckler@ovb.net

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