Nur der Einstieg in den Kahlschlag?

Stellenabbau bei Airbus. MARTIN PREM.

Wer den meist flugzeugfreien Himmel im Verlauf der Corona-Pandemie beobachtet hat, kann die Annahmen, die Airbus seinem aktuellen Sparprogramm zugrundelegt, für optimistisch halten: 2023 solle es aufwärts gehen. Und 2025 wird die Luftfahrtbranche wieder auf dem Stand vor Corona sein. Die kurze Durststrecke könnte aber doch erheblich länger werden. Und die 6000 Jobs, die in Deutschland bei Airbus wegfallen – mit der Lieferkette wohl mehr als das Doppelte –, könnten vielleicht auch der Einstieg in einen sich fortsetzenden Kahlschlag sein.

Folgt man dem Meinungs-Mainstream, wird Corona gar als Wendepunkt gefeiert: weniger fliegen, teurer fliegen oder am besten gar nicht mehr. So kann man eine breite Stimmung zusammenfassen. Die Öko-Medaille aber hat eine sehr bittere Seite: Die Luftfahrtindustrie hat mit die bestbezahlten Jobs in Deutschland. Und die Wohlstandsverluste nach deren Wegfall werden auch viele treffen, die jetzt über weniger Lärm und weniger Abgase jubeln – weil sie ignorieren, dass die Kettenreaktion der eingeleiteten Einsparungen in die Breite wirkt. Auch auf all die, denen man so viel versprochen hat: Pflegekräfte und Kassierer zu Beispiel. Mit ökonomischen Ressourcen, die man gleichzeitig leichtfertig zu verspielen droht.

Der Schutz – und die Sanierung – der Umwelt ist eine Jahrhundertaufgabe. Die schultert man nicht, indem man technischen Fortschritt und Mobilität aufgibt. Es geht darum, beide Aspekte zu versöhnen. Die Luftfahrtindustrie hat beim Energieverbrauch und der Lärmbelastung in den letzten Jahren gewaltige Fortschritte erzielt. Und die Potenziale für die Zukunft sind, wenn man die technische Entwicklung vorantreibt, bei Weitem nicht ausgespielt.

Martin.Prem@ovb.net

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