Heil will Homeoffice-Gesetz: Einsatz am falschen Ende

CHRISTIAN DEUTSCHLÄNDER
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CHRISTIAN DEUTSCHLÄNDER
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So schön besorgt und beschützend klingt es, wenn Bundesarbeitsminister Heil einen „Rechtsanspruch auf Homeoffice“ verspricht.

Es passt ja bestens in die Zeit der Pandemie. Leider wird’s bei hohlen Schlagzeilen bleiben, denn die Ideen des SPD-Ministers schwanken zwischen banal und bestürzend. Ein „Recht, mit dem Chef über mobiles Arbeiten zu verhandeln“, plant Heil nur; offenbar braucht es in der Arbeitswelt seiner ehrwürdigen Bundesbehörde ein Gesetz, um mit Vorgesetzten etwas besprechen zu dürfen. Schlimmer noch: Im Gegenzug verlangt er, die Arbeit im Homeoffice und der Wechsel in den Feierabend müssten voll digital dokumentiert werden.

Sein Ziel ist offensichtlich: Die Arbeitszeiten betonieren, dabei aber sozial und warmherzig tun. Womöglich wollen die Deutschen ihren Arbeitsminister aber gar nicht auf dem Küchentisch sitzen haben, wenn sie zuhause arbeiten. Sie brauchen Flexibilität. Und keine Nachhilfe, zumindest nicht von einem Staat, der Schulen mit Kreidetafeln betreibt. An Bereitschaft zum Homeoffice hat es in vielen Betrieben in den Krisenmonaten nicht gefehlt. Nicht alle, aber viele Teams haben gelernt, das so zu organisieren, dass sich Mitarbeiter weder gemütlich wegducken noch zuhause überlasten. Wenn’s wo hakt, sind es oft digitale Strukturen auf dem Land oder der lebensfremde Murks zur steuerlichen Absetzbarkeit von Arbeitszimmern. Da dürfte Berlin gern endlich mehr tun.

Christian.Deutschlaender@ovb.net

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