Einsamkeit ist so gefährlich wie Viren

Besuche in Pflegeheimen. KATRIN WOITSCH.

Pflegeheime müssen während der Pandemie einen Spagat meistern. Einerseits sollten sie alles tun, um zu verhindern, dass das Virus ins Heim getragen wird. Andererseits leiden viele Senioren sehr darunter, dass sie ihre Kinder und Enkel nicht mehr oft sehen dürfen. Menschen vereinsamen still. Es ist leicht, das in einem hektischen Pflege-Alltag zu übersehen – oder nicht sehen zu wollen. Obwohl seit Anfang Mai Besuche eingeschränkt wieder möglich sind, gibt es viele Heime, die noch immer an Gefängnisse erinnern. Das ist ein Schutz um jeden Preis.

Es war eine richtige Entscheidung der Politik, den Pflegeheimen selbst zu überlassen, wie und in welchem Umfang sie Besuche ermöglichen. Denn nicht zu jeder Einrichtung gehören große Außenbereiche und die Zahl der Corona-Infektionen ist regional unterschiedlich hoch. Doch einige Heime sperren Senioren noch immer weg und rechtfertigen das mit dem Schutz ihrer Gesundheit. Angehörige, die ihre Lieben regelmäßig sehen wollen, werden alles tun, um sie zu schützen. Die Heime sollten ihnen mehr Verantwortungsbewusstsein zugestehen – und kreative und individuelle Lösungen suchen.

In der ersten Phase der Corona-Zeit hat das Besuchsverbot vermutlich vielen Senioren das Leben gerettet. Jetzt könnte es viele die Lebensfreude kosten, wenn sie weiter so streng isoliert werden. Einsamkeit kann für alte Menschen genauso gefährlich werden wie ein Virus.

Katrin.Woitsch@ovb.net

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