Meinung

Tarifvertrag in der Altenpflege: Einigung mit Fragezeichen

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  • vonSebastian Horsch
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Im Schatten der düsteren Corona-Lage in einigen Heimen tut sich etwas in der Altenpflege. Die chronisch personalarme Branche kann vielleicht bald mit einem Tarifvertrag aufwarten, der Arbeitskräfte locken und halten könnte – das hofft unter anderem die Bundesregierung.

Doch noch sind viele Fragen offen. Denn das, was Arbeitsminister Hubertus Heil (SPD) im Sommer für allgemeinverbindlich erklären soll, wollen viele private Heimbetreiber nicht akzeptieren. Sie fühlen sich von dem Verband, der mit Verdi verhandelt, nicht vertreten. Ein Fragezeichen steht bisher auch hinter der Refinanzierung der geplanten Gehaltssteigerung. Noch gibt es die von Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) in Aussicht gestellte Kosten-Deckelung für Heimbewohner nicht. Würde das Plus für die Pflegekräfte am Ende auf deren ohnehin teils schon sehr hohe Eigenanteile aufgeschlagen, hätte man das Problem lediglich abgewälzt.

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Trotzdem: Lassen sich diese Fragen klären, liegt in der Einigung eine Chance. Die Zustände in Teilen der Altenpflege wurden zu lange links liegen gelassen. Öffentlichkeit und Politik wollten sich ungern damit auseinandersetzen. Entstanden ist ein System aus ineinander verknoteten Problemen, die in der Corona-Krise unterm Brennglas zu sehen sind. Um sie zu lösen, wird ein Tarifvertrag nicht ausreichen. Er könnte aber ein Signal dafür sein, dass sich nach der Epidemie wirklich etwas ändern soll.

Sebastian.Horsch@ovb.net

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