Meinung

Diplomatischer Affront der Briten gegen die EU: Einfach nur kleinkariert

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  • vonAlexander Weber
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Hat der britische Premierminister Boris Johnson in Pandemie-Zeiten keine anderen Probleme, als diplomatische Sandkasten-Spielchen zu veranstalten? Nichts anderes ist nämlich der Plan, EU-Diplomaten aus Brüssel nach dem Brexit den Status zu verweigern, den sie in anderen 143 Staaten der Erde selbstverständlich genießen.

Wir erinnern uns: Auch schon Donald Trump hatte vor zwei Jahren versucht, die EU diplomatisch herabzuwürdigen. Es hat nicht lange gedauert, bis er seinen Fehler einsah und die Entscheidung korrigierte.

Nichts anderes sollte Boris Johnson jetzt tun. Selbst innerhalb der konservativen Partei gibt es wenig Verständnis für solche Mätzchen. Der britische Tory-Abgeordnete und Vorsitzende des Verteidigungsausschusses, Tobias Ellwood, beispielsweise kritisiert die Entscheidung seiner Regierung zutreffend als „einfach nur kleinkariert“.

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Im Rausch der neuen Freiheit scheint sich der Blick Londons auf die Realität zu trüben. Nicht nur in Amerika weht seit der Amtsübernahme des neuen Präsidenten Joe Biden, der irische Wurzeln hat, ein neuer Wind in puncto Wertschätzung der EU. Auch die britischen Fischer merken, dass die vollmundigen Brexit-Versprechen nichts wert waren. Ganz zu schweigen vom sicherlich noch kommenden Gesprächsbedarf in der praktischen Anwendung des Weihnachtsdeals auf vielen Gebieten – etwa Nordirland. Dem versprochenen guten Verhältnis des Vereinigten Königreichs zu Kontinent-Europa, um strittige Fragen und Probleme zu klären, erweist Johnson gerade einen Bärendienst.

Alexander.Weber@ovb.net

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