Meinung

München: Eine Stadt am Wendepunkt

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CHRISTIAN DEUTSCHLÄNDER.
  • Christian Deutschländer
    vonChristian Deutschländer
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Neue Corona-Limits in München müssen her, findet unser Autor. Denn es gibt kein Menschenrecht auf Party.

München hat einen kritischen Corona-Punkt erreicht, ist vielleicht schon ein paar Meter drüber. Bisher war die steigende Infektionszahl mit Bayerns Test-Offensive erklärbar, mit Urlauben und mit unvorsichtigen Familien-Heimkehrern vom Balkan. Alles unschön, aber nicht dramatisch. Jetzt, zwei Wochen nach Ferienende, wird diese Erklärung brüchig. Die Zahlen drohen sich zu verselbstständigen. Genau da, wo die vielgepriesene Eigenverantwortung greifen sollte: im privaten Bereich, auf Festen.

Es schmerzt, wenn sich das so bewahrheitet. Weil dann in einer Zeit, wo zu Recht wieder mehr über Grundrechte gesprochen wird, das Konzept von Freiheit und Eigenverantwortung verwechselt wurde mit einem Menschenrecht auf Party. Anzeichen dafür häufen sich gerade. Große Fehler, wenn sich trunkene Massen zur Ersatz-Wiesn auf zu engem Raum treffen. Kleine Fehler, wenn Fußball-Funktionäre auf Distanz und Maske pfeifen.

Kein Signal für Ende der Lockerungen senden

Stadt und Staat greifen schnell lokal ein – aber mild, mit einem Warnschuss. Es ist momentan richtig, Schulen (mit Maskenpflicht!) und Kitas offen und die Wirtschaft am Laufen zu halten. Diese Priorität ist die Lehre aus März/April, daran hängt enorm viel. Die Limits für private Treffen und die Gastronomie sind im Kern symbolisch. Hoffentlich reicht das. Andernfalls ginge ausgerechnet von München das fatale Signal für ein Ende der Lockerungen aus – mit dann sicher groben Verwerfungen in Gesellschaft, Wirtschaft und Politik. Ganz Bayern schaut darauf, wie die Münchner in den nächsten Tagen Lebensfreude und Rücksichtnahme zusammenbringen.

Christian.Deutschlaender@ovb.net

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