Meinung

Streit um den Coronavirus-Impfstoff: Eine neuartige Neiddebatte

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  • Klaus Rimpel
    vonKlaus Rimpel
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Der Impf-Gipfel war ein Plazebo – und wie solch ein eigentlich wirkungsloses Medikament soll auch ein Polit-Plazebo zumindest beruhigen. Mehr war nicht drin, denn das einzige Mittel, die Lage wirklich zu bessern, fehlt nach wie vor: mehr Impfstoff.

Da es noch Wochen, wenn nicht Monate dauern wird, bis Biontech und Co. ausreichende Mengen nach Deutschland liefern werden, steht dem Land eine ganz neuartige Gerechtigkeitsdebatte bevor: Wer wird wann geimpft – und mit welchem Mittel?

Jens Spahn verkündet die Impf-Rangfolge par Ordre du Mufti

Dass nun ausgerechnet die zentralen Figuren im Corona-Drama, das Klinik- und Pflegepersonal, den weniger wirksamen Impfstoff von Astrazeneca bekommen, ist aus deren Sicht ein weiterer Beweis mangelnder Wertschätzung. Gab es schon die Debatte unter Pflegern, als „Versuchskaninchen“ herhalten zu müssen, wird die Entscheidung, den besseren Biontech-Impfstoff den über 70-Jährigen vorzubehalten, nun das Gefühl von Diskriminierung schaffen – was die Impfbereitschaft schmälert, mit möglicherweise fatalen Rückwirkungen auf die Eindämmung in Kliniken und Pflegeheimen. Auch Polizisten, Erzieherinnen oder Lehrer hätten Anspruch auf schnellen Impfschutz, den sie nun erst einmal nicht bekommen.

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All diese Entscheidungen sind so heikel, dass es ein Fehler war, darüber nicht mehr zu diskutieren – auch im Bundestag. Jens Spahn verkündet die Impf-Rangfolge par Ordre du Mufti. Der Akzeptanz dieser Entscheidungen bei den Bürgern tut das nicht gut.

Klaus.Rimpel@ovb.net

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