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Vor dem Grünen-Parteitag: Eine Frau für die Merkel-Wähler

MIKE SCHIER
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Just zum Parteitag der Grünen startet der Innenminister den Countdown.

Wahltermin dürfte der 26. September werden – eine dezente Erinnerung an die Öko-Partei, deren Klima-Hoch die Corona-Krise überraschend unbeschadet überstanden hat, dass es bald ernst wird. Inhaltlich, aber auch personell. Die erste Frage lautet: Kann die Spitze ihren ebenso gemäßigten wie vagen Mitte-Kurs gegen allzu radikalere Forderungen der Klimabewegung behaupten? Und die zweite: Wen soll dieser Kurs im Herbst in die Regierung oder gar ins Kanzleramt führen?

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Kurios: Ausgerechnet jene Partei, die die permanente Basisbeteiligung quasi erfunden hat, wartet demütig darauf, dass Robert Habeck und Annalena Baerbock die Frage der Kanzlerkandidatur unter sich ausmachen. Das Hinterzimmer ist plötzlich hip. Soll sich doch die Union mit ihrem ewigen Schaulauf blamieren: Zu drei unbeliebten Kandidaten kommen ein verhinderter (Spahn) und ein heimlicher (Söder). Dagegen wirken grüne Debatten um Gentechnik und Homöopathie wie Fußnoten.

Doch auch die Grünen müssen personell bald Farbe bekennen – zumal die Entscheidung längst gefallen sein sollte: Baerbock ist parteiintern nicht nur deutlich beliebter, sie gilt auch als kompetenter und strategisch beschlagener als der coole Kollege. Auch die Konstellation spricht klar für sie: Gegen Scholz, Lindner und den Unionsmann (welchen auch immer) wäre sie die einzige Frau im Rennen. Gerade im Wettstreit um die Merkel-Wähler sollte man diesen Punkt nicht unterschätzen.

Mike.Schier@ovb.net

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