Eine Frage des Stils

Ramelows Stinkefinger. MARCUS MÄCKLER.

Politiker sind auch nur Menschen mit Mittelfingern, was sicher keine Entschuldigung ist, aber eine Erklärung. Jeder lässt sich mal provozieren. Und trotzdem gilt: Dass der Ministerpräsident eines Bundeslandes einem anderen Politiker den Stinkefinger zeigt, beschädigt die Würde des Amtes. Und das ist nicht mal das Schlimmste.

Bodo Ramelow (Linke) ist mit seiner an einen AfD-Politiker gerichteten Geste der gleichen Versuchung erlegen wie einige vor ihm. Johannes Kahrs (SPD) schleuderte der „Alternative“ mal den Satz „Hass macht hässlich“ entgegen, Martin Schulz (SPD) wünschte deren Fraktionschef Alexander Gauland auf den „Misthaufen der Geschichte“, Sigmar Gabriel (SPD) und Bayerns Grünen-Fraktionschefin Katharina Schulze streckten rechten Demonstranten den Mittelfinger entgegen. Das sind, um es klar zu sagen, Einzelfälle, die sich in Zahl und Inhalt nicht gegen die Provokationen und Peinlichkeiten aufrechnen lassen, die viele AfD-Politiker routinemäßig verbreiten. Im Stil sind diese Einzelfälle aber ähnlich unterirdisch. Von Spitzenpolitikern darf man anderes erwarten.

Das Niveau der politischen Auseinandersetzung fällt nur so tief, wie es die Anständigen zulassen – das sollte der Maßstab sein. Wer anders handelt, beschert der AfD, wie jetzt, nur unnötige Aufmerksamkeit und bietet ihr die Gelegenheit zur Ablenkung. Die in innerem Streit zerrissene AfD nimmt das gerne mit. Diesen Gefallen wollte ihr Ramelow sicher nicht tun.

Marcus.Maeckler@ovb.net

Kommentare