Eine erstaunliche Kehrtwende

-
+
-

3. Startbahn vor dem Aus.

DIRK WALTER

„Wir wollen die dritte Startbahn, weil Bayern ohne sie langfristig große Nachteile bekommen wird“ – dieses Zitat aus dem Jahr 2017 stammt vom damaligen Finanzminister Markus Söder. Es ist natürlich etwas gemein, ihm dieses alte Bekenntnis vorzuhalten, denn die Corona-Krise konnte niemand voraussehen. Aber trotzdem: Wie gut, dass Söder, lange ein glühender Verfechter der Flugpiste, sich nicht durchgesetzt hat. Wäre die Bahn realisiert worden – der Flughafen säße nun auf einer milliardenteuren Investitionsruine.

Der heutige – man könnte angesichts der erstaunlichen Wandlung des Ministerpräsidenten auch sagen – der neue Markus Söder hat die Zeichen der Zeit erkannt: Der Flughafen hat genug damit zu tun, in den nächsten Jahren zu überleben. Es geht im Erdinger Moos nicht um Ausbau – sondern um Abbau. Tausende Stellen stehen im Feuer. Da ist es Zeit, ein überflüssiges Projekt mit Anstand und ohne Häme aus dem Weg zu räumen.

Natürlich ist das auch dem anhaltenden Widerstand der Anwohner zu verdanken. Sie haben nie klein beigegeben und erreicht, dass nun der endgültige Abschied von diesem Projekt naht. Ja naht – denn final erledigt ist das Projekt noch nicht. Der Flughafen spricht nicht unrichtig nüchtern nur von einer „Verlängerung des Moratoriums“. Gemeint ist: Der Ministerpräsident hat ein gewichtiges Versprechen abgegeben, aber eben nur ein Versprechen. Was aber passiert, wenn Söder doch noch nach Berlin gehen sollte? Gilt das dann noch? Die Anwohner haben ein Recht auf endgültige Gewissheit. Um Sicherheit zu haben, sollte der unselige Planfeststellungsbeschluss von 2011 aufgehoben werden und die Startbahn als „Ziel“ im Landesentwicklungsprogramm gestrichen werden. Erst dann kann die Region endgültig aufatmen.

Dirk.Walter@ovb.net

Kommentare