Eine Chance für Spaniens Monarchie

Ex-König Juan Carlos im Exil. ALEXANDER WEBER.

Juan Carlos’ Arbeit beim Übergang Spaniens von der Franco-Diktatur zur Demokratie wird ebenso wie seine mutige Abwehr des Putschversuchs 1981 für ewig auf der Haben-Seite des alten Königs stehen. Leider haben seine Fehltritte im Privaten – man denke etwa an seine Liebschaften oder die unselige Elefanten-Jagd – sowie dubiose Geschäfte wie die jetzt im Fokus stehenden Korruptionsvorwürfe rund um einen Eisenbahnbau in Saudi-Arabien den Ruf der Monarchie auf der iberischen Halbinsel mehr als erschüttert. Ausgerechnet in einer Situation, in der die Folgen der Corona-Pandemie das Land wirtschaftlich schwer treffen und es um den Zusammenhalt ohnehin schlecht bestellt ist. Das Baskenland, die rebellischen Katalanen – die Fliehkräfte weg von der Zentrale in Madrid sind so groß wie lange nicht. Juan Carlos’ Sohn und Nachfolger Felipe VI. müht sich mit seiner Musterfamilie zwar redlich, den Glanz der Monarchie durch vorbildliches Auftreten wieder aufzupolieren. Doch das fällt schwer, wenn einem ständig die Sünden des Vaters auf die Füße fallen.

Deshalb: Wohin der alte Regent nun auch geflüchtet ist – ob in die Karibik oder zu Verwandten in einem anderen europäischen Land –, sein Weggang könnte dem jungen Monarchen endlich jene Beinfreiheit geben, ohne die kein moderner König mehr reüssieren kann.

Alexander.Weber@ovb.net

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