Meinung

Schulpolitik in der Krise: Ein ruckeliger Januar

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  • Christian Deutschländer
    vonChristian Deutschländer
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Die Schulen gehen weitere drei Wochen in Distanzbetrieb: Für Familien und Arbeitgeber bringt die drastischste aller Corona-Regeln riesige Belastungen. Trotzdem ist diese Entscheidung mindestens für die höheren Klassen richtig.

An Schulen gab es doch Infektionsherde, ältere Kinder waren überproportional betroffen, die B117-Mutation scheint noch massiver junge Menschen anzugreifen. Gleichzeitig ist es der bessere Weg, nicht Ferien zu verlängern, sondern den Unterricht zu starten: digital, gestreamt, innovativ. Jeder Tag ohne Lehrer ist vor allem für bildungsfernere Schichten eine Katastrophe.

Ja, es wird ruckeln im Januar. Perfektion ist nicht der Maßstab, das wäre unfair gegenüber Schülern, Lehrern, Eltern – und auch dem Kultusminister. Dennoch kann es für Michael Piazolo unangenehm werden. Er gab in diesen Corona-Monaten kein gutes Bild ab: Kurz vor den Ferien versuchte der Minister, Digitalunterricht zu „Distanzlernen“ zu vernuscheln, also von der Brieftaube gebrachte Arbeitsblätter; kürzlich schlug er längere Weihnachtsferien vor. Gefährlicher Tenor: „Lieber gar keine Schule als die von mir organisierte.“ Nein, das ist nicht Bayern-Standard. Für große Pannen gibt es jetzt keine Ausrede mehr.

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Für Piazolo geht’s ums Amt. Für seine Partei auch um die Regierungsfähigkeit. Im Wirtschaftsressort überzeugt Freie-Wähler-Chef Aiwanger nicht voll, das Schulressort entwickelt sich zum Problem. Die CSU verschiebt nun ihre glücklose Gesundheitsministerin Huml in ein Hinterzimmer. Der Druck auf die Freien Wähler steigt, endlich handwerklich besser als mundwerklich zu arbeiten.

Christian.Deutschlaender@ovb.net

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