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Minister Spahns Reihenfolge für die Corona-Impfung: Ein hochgiftiger Konflikt

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  • Christian Deutschländer
    vonChristian Deutschländer
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Rettung naht. Neuer Ärger auch. Der Start der Impfungen bringt zwei neue große Konfliktlinien in die Corona-Debatte.

Die erste, der Protest der Impf-Gegner, ist begrenzbar, weil es klugerweise keine Impf-Pflicht gibt. Den neuen Stoffen zu trauen oder nicht, ist zunächst eine individuelle Risikoabwägung jedes Einzelnen. Wer sich schnell impfen lassen will, wird auch nicht traurig sein, wenn Priorisierte in der Reihe vor ihm verzichten.

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Mindestens so heikel ist die zweite Konfliktlinie: Wer den Schutz wann erhält. Das wird noch umkämpft sein, weil Deutschland sich erstmal zu wenig Dosen gesichert hat. Natürlich hätte der Bundestag die Reihenfolge per Gesetz regeln müssen. Seit Wochen schon! Das Parlament, das sich so gern im Selbstlobpreisen seiner Bedeutsamkeit suhlt, lässt von dieser Entscheidung lieber die Finger. Geht ja nur um Leben und Tod. Das Gesundheitsministerium regelt das nun auf dem Verordnungswege.

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Das reicht nicht. Die Reihung ist gesellschaftlicher Sprengstoff. Die medizinischen Argumente entsprechen nicht dem, was viele Menschen als fair oder nachvollziehbar empfinden werden. Natürlich müssen Alte und Kranke zuerst geschützt werden. Aber was denken sich Polizisten, wenn die Straftäter im Gefängnis vor ihnen an der Reihe sind?

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Noch heikler: Soll man alle Asylbewerber vor jenen systemrelevanten Gruppen impfen, die Betriebe und Staat im Kampf gegen Corona hohen Risiken aussetzen? Dieser Konflikt ist toxisch für die kommenden ein, zwei Jahre. Er muss politisch aufgelöst werden, von gewählten Volksvertretern statt halbanonymen Ministerialstrukturen. Hoffentlich entwickelt Gesundheitsminister Spahn da doch noch das nötige Fingerspitzengefühl.

Christian.Deutschlaender@ovb.net

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