Meinung

Corona-Gipfel im Kanzleramt: Ein historischer Gipfel bei Merkel

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  • Georg Anastasiadis
    vonGeorg Anastasiadis
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Gleich von „historischer Dimension“ soll der Corona-Gipfel sein, zu dem Angela Merkel heute die Länderchefs empfängt. Ihr Kanzleramtsminister Braun hat damit den Ton gesetzt. Übersetzt ins Deutsche soll das heißen: Es geht um Leben und Tod. Das Kanzleramt macht maximalen Druck, um die Ministerpräsidenten auf Linie zu bringen.

Diese sollten sich dennoch hüten, getrieben von wachsenden Infektionszahlen das Falsche zu beschließen. Denn gut gemeint ist nicht automatisch gut gemacht – selten war diese Binsenweisheit so wahr wie in der Corona-Krise. So droht den gerade erst hastig verkündeten Beherbergungsverboten für Reisende aus deutschen Risikogebieten schon wieder eine Beerdigung dritter Klasse, notfalls vor Gericht. Dasselbe könnte einer Maskenpflicht blühen, würde man sie überdehnen und nicht nur auf sehr vollen öffentlichen Plätzen anordnen, sondern auch an jedem Arbeitsplatz oder auf leeren Gehwegen.

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Es geht nicht um die Symbolik von Maßnahmen – sondern um ihre Zielgenauigkeit. Richtschnur jeder neuen Anordnung darf nicht sein, ob sie die Bürger genügend einschüchtert. Sondern ob sie das Infektionsgeschehen wirksam bekämpft. Jeder wird verstehen, dass wilde Feiern eingeschränkt werden müssen, egal ob in der Bar oder zuhause. Oder dass Menschen unter Alkohol unnötige Risiken eingehen. Aber wie groß ist das Risiko, sich bei flüchtigen Begegnungen im Freien anzustecken?

Polizei hin, hohe Strafen her: Die schärfste Waffe im Kampf gegen das Virus ist und bleibt die Bereitschaft der Leute, sich selbst und andere zu schützen. Diese sollte man nicht aufs Spiel setzen durch pauschale, der örtlichen Corona-Situation nicht angepasste Maßnahmen, die die Menschen nicht mehr verstehen.

Georg.Anastasiadis@ovb.net

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