Ein falsches Signal

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MVV-Preiserhöhung. DIRK WALTER.

Der MVV erhöht die Preise – dass das keine Jubelstürme auslöst, wissen die Verantwortlichen selber. Natürlich kann es nicht Nullrunde auf Nullrunde geben. Doch es ist das falsche Signal, mitten in der Corona-Pandemie – mit hunderttausenden Arbeitnehmern in Kurzarbeit, mit steigender Arbeitslosigkeit und Lohneinbußen – die Ticketpreise zu erhöhen. Ein Ärgernis seit Jahren ist die intransparente Art der Entscheidungsfindung: Landräte, ein OB und Experten des Freistaats feilschen die Tariferhöhung ohne Mitwirkung der Öffentlichkeit aus. Daran hat sich leider trotz grün-rotem Stadtrat nichts geändert. Zeit für eine Reform! Ein Rettungsschirm für die Pendler – das wäre ein gutes Werbeargument für Bahn, Bus und Tram mitten in der Krise gewesen.

Zugutehalten muss man den Verantwortlichen, dass die Preiserhöhung mit 2,8 Prozent im Schnitt maßvoll ausfällt. Die meisten Fahrgäste fahren auch künftig günstiger als vor der großen Tarifreform von 2019. Manche Ticketkategorien, etwa die IsarCard ab 9 Uhr, bleiben sogar unverändert. Doch es lohnt der Blick in Details: Die Streifenkarte wird gleich über vier Prozent teurer. Und auch die erst eingeführte Jugend-Streifenkarte wurde von der Preiserhöhung nicht ausgenommen. Besonders ärgerlich aber ist, dass Monatskarten überproportional teurer werden. Schließlich steigen viele Pendler derzeit aus Angst vor einer Corona-Infektion eh lieber ins Auto als in die S-Bahn. Einen Umdenkprozess löst diese Preiserhöhung nicht aus.

Dirk.Walter@ovb.net

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