Corona-Kritiker unter sich: Echte Kritik und Geschwurbel

JOSEF AMETSBICHLER
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JOSEF AMETSBICHLER

Wer bei den grundsätzlichen Fragen des Zusammenlebens unterschiedlicher Meinung ist, tut sich schwer, auf den Gegenpol zuzugehen.

Die Coronakrise führt uns das so klar vor Augen wie zuletzt die Asyldebatte. Da treffen sich in einem Lokal im Landkreis Ebersberg 70 Maskenverweigerer in einem pappvollen Saal und wundern sich, dass kein Befürworter von Abstands- und Hygieneregeln zum Mitdiskutieren auftaucht.

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So eine Veranstaltung, bei der unwidersprochen von der jüdischen Weltverschwörung, hinter Schutzmasken erstickenden Schulkindern und diktatorischen Verhältnissen in unserem Land fabuliert wird, schreckt auch noch andere ab: Diejenigen, die sich realistischere Sorgen machen. Um die Verhältnismäßigkeit zwischen den Anti-Corona-Maßnahmen und ihren sozialen wie wirtschaftlichen Konsequenzen, zum Beispiel. Nicht jeder, der da nicht auf Regierungslinie ist, ist ein Schwurbler und Verschwörungstheoretiker.

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Aber es gibt einen Unterschied zwischen kritischen Geistern und antisozialen Egoisten. Ein gutes Indiz ist die Fähigkeit zu Kompromiss und Rücksicht. Im Gespräch mit jemandem, der sich um seine Gesundheit sorgt, ziehen Erstere eine Maske auf. Letztere nicht. Gegen die geltenden Regeln zu argumentieren und zu protestieren, das dürfen Demokraten. Aber jenen, die sich Sorgen machen und sich an diese Regeln halten, die Fähigkeit zum eigenen Denken abzusprechen – das ist Geschwurbel.

Josef.Ametsbichler@ovb.net

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