Die doppelte Bedrohung

Coronavirus in Afrika. SEBASTIAN HORSCH.

Geht es um globale Corona-Hotspots, denkt man an die USA oder Brasilien. Afrikanische Länder hat kaum jemand im Blick. Schließlich sind die Zahlen vergleichsweise niedrig. Doch dem Kontinent droht Verheerendes.

Da vielfach kaum getestet wird, ist die offizielle Angabe von nun mehr als einer Million Corona-Infizierten in ganz Afrika wohl nicht mehr als die Spitze des Eisbergs. Die Dunkelziffer dürfte viel höher sein, und die Gesundheitssysteme sind mit dem deutschen nicht vergleichbar. Es fehlt überall an Personal, Tests und Betten. Im Kampf gegen Corona hat der Kontinent zwar zwei Vorteile: seine Erfahrung mit Epidemien und ein Durchschnittsalter von unter 20 Jahren – das niedrigste der Welt. Doch beides hilft nicht gegen die vielleicht noch größere Bedrohung. Denn infolge der Epidemie bahnt sich bereits eine wirtschaftliche Katastrophe an. 30 Millionen afrikanische Jobs könnten durch die Corona-Krise verloren gehen, warnt die Entwicklungsorganisation ONE. Es drohen mehr Armut, Hunger und Perspektivlosigkeit. Kommt es so, werden mittelfristig auch weitere Migrationsbewegungen die Folge sein.

Europa ist derzeit zuallererst mit sich selbst beschäftigt. Kein Wunder, die eigenen Herausforderungen sind groß. Doch wenn es in der Krise die Entwicklungen auf dem Nachbarkontinent aus den Augen verliert, könnte sich das schon bald bitter rächen.

Sebastian.Horsch@ovb.net

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