Die CDU im Dilemma Die Kanzlerin schwebt über allem

Die CDU im Dilemma. Die Kanzlerin schwebt über allem .

MIKE SCHIER

Annegret Kramp-Karrenbauer und Mike Mohring gaben sich alle Mühe – aber die Zerreißprobe, der die CDU nach der Thüringen-Wahl unterworfen ist, ließ sich nicht überspielen. Hier die westdeutsche Bundeschefin, die genau weiß, welchen Aufschrei eine Koalition mit der Linken in ihrer Partei auslösen würde. Dort der ostdeutsche Landespolitiker, der sich ausmalen kann, dass ihm die Bürger daheim eine pauschale Verweigerungshaltung nicht verzeihen. Unglaublich, wie schnell sich die alten politischen Maßstäbe angesichts der unterschiedlichen Befindlichkeiten zwischen West und Ost verschieben.

Dieses Dilemma hat AKK gerade noch gefehlt. Die Vorsitzende kämpft seit Wochen mit wachsendem Misstrauen: Die Junge Union verwandelte erst ihren Deutschlandtag in eine Jubelveranstaltung für Friedrich Merz und stellt nun im Vorstand die Machtfrage. Merz wiederum twitterte am Sonntagabend aus dem Off, die CDU könne das Wahlergebnis „nicht mehr ignorieren oder einfach aussitzen“. Kommt es beim Parteitag zur Eskalation?

Der immer offener ausgetragene Machtkampf in der CDU erinnert an die ewige Kronprinzen-Debatte der CSU, deren Ergebnis erdrutschartige Verluste waren. Einziger Unterschied: Während sich in der CSU Horst Seehofer damals mitten im Schlachtengetümmel befand, tut Angela Merkel so, als habe sie mit der CDU (und ihren schlechten Wahlergebnissen!) nichts mehr zu tun. Es ist absurd: Die CDU zerfasert – aber die Hauptverantwortliche schwebt über den Dingen. AKK hat gar nicht die Kraft, in der Thüringer Koalitionsfrage ein Machtwort zu sprechen. Und Merkel schweigt, wie sie es auch im Streit zwischen AKK und Heiko Maas tut. Wann merkt die Union endlich, dass die Bürger ihr ewiges Taktieren satthaben?

Mike.Schier@ovb.net

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