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Schleppende Digitalisierung: Bildung darf nicht Glückssache sein

CHRISTIAN DEUTSCHLÄNDER
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CHRISTIAN DEUTSCHLÄNDER
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Für den Bildungs- und Technologiestandort Bayern ist das hochnotpeinlich: Am ersten Tag des Wechselunterrichts bricht wieder das Mebis-System zum digitalen Lernen stundenlang zusammen.

Ja, nicht alles ist planbar in einer Pandemie, aber es liegen Milliardensummen bereit und ein langer Sommer ließ Zeit zur Vorbereitung. Sie verstrich. Das darf nicht Bayern-Standard werden.

Vieles wird nun an Kultusminister Piazolo festgemacht: zwar sachkundig, höflich, aber nicht durchsetzungsstark genug. Das ist aber nur ein Aspekt des Problems. Fataler sind die zerklüfteten Zuständigkeiten. Beispiel Digitalisierung: Die Rechenzentren verwaltet das Finanzministerium, die Endgeräte, bezahlt vom Bund und Freistaat, kauft der lokale Schulaufwandsträger nach Vergabevorschriften von Land, Bund und EU. Digitale Lehrer-Schulung: Kultusministerium. Nicht für die Schul-Digitalisierung zuständig ist das Digitalministerium; dessen Kernaufgabe ist, modern zu klingen. Das Ergebnis ist trübe: An Schulen mit guter Technik und guten Lehrern läuft der Unterricht perfekt hybrid, andere haben nicht mal WLan. So wird Bildungsgerechtigkeit zur Glückssache.

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Die Staatsregierung muss dieses Strukturknäuel durchschlagen und die Kompetenz bei sich bündeln – zentral anschaffen, steuern, zahlen. Das ist nicht so hip wie lokale Selbstverwaltung, funktioniert aber in einer historischen Krise einfacher. Auch politisch wäre es fair. Denn Piazolo, letztlich auch Söder, sollten wissen: Ärger in der Schulpolitik macht der Wähler, und das sind Millionen Familien, immer an der Landesregierung fest.

Christian.Deutschlaender@ovb.net

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