Kitas und Nahverkehr Diese Streiks sind befremdlich

DIRK WALTER
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DIRK WALTER

Ein Streik muss unbequem sein, sonst bewirkt er nichts. So ist es normalerweise. In Zeiten wie diesen aber ist Mäßigung das höchste Gebot ...

... – weshalb der heutige Streik an den Münchner Kindertagesstätten befremdlich wirkt. Dem Münchner OB Dieter Reiter, selbst Verdi-Mitglied, fehlt für den Streik „jegliches Verständnis“, ja mehr noch, er nennt ihn „verantwortungslos“. Es sind mutige Worte, für die der Sozialdemokrat mit Kritik und Häme überzogen wird. Aber er hat Recht: Die Corona-Krise und die monatelange Totalschließung der Betreuungseinrichtungen haben die Urlaubskonten vieler Eltern aufgezehrt. So ein Streiktag wie heute muss deshalb die Ausnahme bleiben. Besser, er wäre gar nicht erst angesetzt worden. Das trifft noch mehr auf den angekündigten Warnstreik im Münchner Nahverkehr zu. Dieser Streik ist sogar gesundheitsschädlich. Die wenigen U-Bahnen oder Busse, die morgen fahren werden, dürften überfüllt sein. Das Ansteckungsrisiko steigt.

Wahr ist aber auch: Erzieher(innen) genauso wie Pflegekräfte haben in der Corona-Krise einen guten Job gemacht, der nicht nur mit demonstrativem Beifall bedacht werden sollte, sondern auch mit Geld. Dies zu organisieren ist Sache der Politik – wobei zur Wahrheit gehört, dass die München-Zulage der Stadt hier schon einiges verbessert hat. Hat Verdi das vergessen? Umso deplatzierter ist der heutige Streiktag.

Dirk.Walter@ovb.net

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