Meinung

Heime blieben ungeschützt: Die Politik hat die Alten vergessen

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Die Ältesten unter uns haben noch den Krieg erlebt und nicht vergessen, wie es sich anfühlt, mit Hunger, Hiobsbotschaften von der Front und einer Heidenangst vor der Zukunft Weihnachten zu feiern. Es ist eine der gehässigsten Nebenwirkungen des Coronavirus, dass ausgerechnet diese leidgeprüfte Generation jetzt besonders um ihr Leben fürchten muss.

Es hätte nicht so weit kommen müssen, wenn unsere Politiker empathischer und vor allem konsequenter gehandelt hätten. Sie haben es nicht geschafft, die Vernünftigen unter den Corona-Skeptikern für ihre Schutzmaßnahmen zu gewinnen. Und sie haben zu lange weitgehend tatenlos zugeschaut, wie das Virus in Alten- und Pflegeheimen besonders stark wütet. 3200 der über 5000 Corona-Toten in Bayern sind über 80. Doch die Ansteckungswelle unter Senioren rollt ungebremst weiter.

Nur spärlich und viel zu spät dringt der Rat der Wissenschaftler, die Heime endlich effektiver zu schützen, zu den Politikern durch. Gefühlt hätten die Kanzlerin, ihr Gesundheitsminister und die Ministerpräsidenten lieber noch bis Dreikönig darüber debattiert, ob an Weihnachten nun zehn, sechs oder nur fünf Personen unterm Christbaum sitzen dürfen. Wir alle haben es selbst in der Hand, es besser zu machen. Wir alle müssen uns jetzt an die Schutzmaßnahmen halten – auch über die Feiertage.

Wer nur leichte Symptome hat, sollte Weihnachten alleine verbringen. Selbst dann, wenn sein Corona-Test negativ ausgefallen ist. Insbesondere der Schnelltest reicht als Eintrittskarte für eine unbeschwerte Familienfeier nicht aus. Einsamkeit fällt schwer, erst recht zum Fest der Liebe. Trotzdem sollten wir unseren Liebsten, vor allem den älteren, heuer diese Geduld schenken. Das Virus wird verschwinden – und Weihnachten wiederkommen.

Politik@ovb.net

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