Kommentar

Kampf gegen Corona: Die Methode Söder stößt an ihre Grenze

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 GEORG ANASTASIADIS

Kaum noch ein Tag vergeht, ohne dass die Kanzlerin und Bayerns Ministerpräsident vor Corona warnen. Sie tun das abwechselnd und in immer schrilleren Tönen: „Schockwelle“, „Kontrollverlust“, „bleiben Sie zuhause!“

Angela Merkel und Markus Söder wollen die Bevölkerung für die Gefahr sensibilisieren – aber ihre Methode stößt jeden Tag mehr an ihre Grenzen: Die ständige Rhetorik der Angst und des Schreckens treibt die einen in die Panik, andere auf die Barrikaden und eine dritte Gruppe stumpft ab. All das ist gefährlich. Immer tiefer wird so der Spalt, der sich durch die Bevölkerung zieht. Hinzu kommen wenig durchdachte und rasch wieder einkassierte Maßnahmen, die die Bürger verunsichern, so wie das Beherbergungsverbot. Solcher Aktionismus sendet ein beunruhigendes Signal in die Bevölkerung: Die Politik selbst gerät in Panik.

Solidarität in der Bevölkerung zerbröselt

Richtig ist: Deutschland hat bisher vieles richtig gemacht. Aber es ist ein Alarmzeichen, wenn respektierte Persönlichkeiten der Zivilgesellschaft wie die Besitzerin des Hotels „Bayerischer Hof“ in München, Innegrit Volkhardt, die Politik warnt, sie sei im Begriff, Menschen wie sie zu verlieren. Oder wenn sich der Ärztepräsident in massiver Form gegen die Corona-Maßnahmen stellt. Das sind Zerfallsprozesse, die zeigen, wie sehr die Solidarität in der Bevölkerung zerbröselt. Wenn Menschen Maßnahmen als nicht verhältnismäßig und zielführend wahrnehmen, sinkt die Bereitschaft zum Mitmachen, wackelt die Akzeptanz auch der sinnvollen Regeln. Braucht es polizeilich durchgesetzte Grenzen für Feiern oder Großhochzeiten? Selbstverständlich! Aber was bringt eine Maskenpflicht in Betrieben, die bisher nicht als Infektions-Treiber aufgefallen sind, wirklich für die Bekämpfung der Pandemie?

Der Anstieg der Infektionswelle ist beunruhigend, aber die täglich vom RKI gemeldete Zahl der Neuinfizierten ist nur ein Teil der Wahrheit. Sie muss um die Zahl der schweren Verläufe und die Auslastung der Klinikkapazitäten ergänzt werden, um wirklich belastbare Aussagen zu liefern. Der vor uns liegende Winter wird nicht schön. Aber er wird nicht besser, wenn wir nun alle den Kopf verlieren.

Georg.Anastasiadis@ovb.net

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