CDU-Parteitag verschoben: Die Karten werden neu gemischt

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CHRISTIAN DEUTSCHLÄNDER.

So ist das im Leben: Manchmal dämmert’s dem Hauptbetroffenen einer unausweichlichen Entscheidung als Letztem. Das ganze Land weiß seit Wochen, dass der CDU-Parteitag im Dezember auf keinen Fall so stattfinden wird – gestern hat das dann auch die CDU-Spitze gemerkt.

Ein Wahl-Parteitag mit 1001 Delegierten und 1000 Gästen ließe sich unter Corona-Bedingungen vielleicht mit Sondererlaubnis, Riesen-Aufwand und Hygiene-Risiken realisieren. Von ihm ginge aber keine Aufbruchstimmung aus – sondern nur das verheerende Signal, dass sich die Politik fette Ausnahmen gönnt, während die Menschen maximal vier Leute treffen dürfen. Die Bevölkerung hinterfragt nach Monaten des Verzichts schon sehr genau, für wen welche Sonderregeln gelten, man denke an den Großaufwand für Tests im Fußball-Betrieb. In diese Falle sollte eine Volkspartei nicht tappen.

Das Bewerberfeld Laschet/Merz/Röttgen

Mancher Kandidat mag nun beleidigt Verschwörungen wittern. Das ist Unfug, getrieben von der Angst um eigene Wahlchancen. Der CDU insgesamt hilft es, wenn sie erst im Frühjahr einen neuen Chef wählt. Bisher überzeugt das Bewerberfeld Laschet/Merz/Röttgen bestenfalls Teile der Basis, aber nicht die Wähler. Kann sich doch noch ein Bewerber mehr Vertrauen erarbeiten? Entwindet sich Jens Spahn der mutlosen Tandem-Umklammerung mit Laschet? Traut sich auch eine Frau das Führungsamt zu? Die CDU gewinnt – nach organisatorischer Trödelei und analoger Einfallslosigkeit – Zeit und die Chance, sich aus der Apathie des dicht an dicht liegenden Kandidatentrios zu lösen. Das ist, weil es ja auch um die Kanzlerkandidaten-Frage geht, gut fürs ganze Land.

Christian.Deutschlaender@ovb.net

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