Meinung

Widersprüchliche Corona-Politik: Die 7-Tage-Inzidenz ist nicht alles

-
+
-
  • Mike Schier
    vonMike Schier
    schließen

Just ein halbes Jahr, nachdem Bayern wegen Corona den Katastrophenfall ausrief, gehen die Infektionszahlen wieder deutlich nach oben. Doch so klar und einheitlich damals die Rezeptur für Gegenmaßnahmen schien, so widersprüchlich ist der Umgang mit dem Virus heute.

München – In Münchner Restaurants lädt man zur Ersatz-Wiesn, während auf der Theresienwiese unter freiem Himmel nicht mal ein Wegbier getrunken werden darf. Erst wollte man heute 7500 Zuschauer in die Allianz Arena lassen, dann plötzlich doch nicht. Und in Schulen und Kitas fragt man sich, wie lange angesichts des steigenden Inzidenzwerts der Regelbetrieb aufrechtzuerhalten ist.

Können Corona-Risikogruppen besser geschützt werden?

Über den Sinn dieser Regelungen kann man trefflich streiten. Längst ist nicht mehr alles logisch. Doch richtig bleibt die Grundlinie der vorsichtigen Lockerungen, gegen die sich Markus Söder lange gesträubt hatte. Wer die Corona-Gefahr beurteilen will, darf nicht allein auf den Inzidenzwert der Neuinfektionen starren, sondern muss genauso die Situation in den Intensivstationen beachten. Wie weit sind medizinischer und technischer Fortschritt? Können Risikogruppen besser geschützt werden?

Diese Fragen sollten in einer Pandemie entscheiden, ob man Schulen und Kitas wieder auf Notbetrieb umstellen muss. In München ist seit 10. August niemand mehr an Covid-19 gestorben. Gott sei Dank!

Richtiger vorsichtiger Weg mit Masken

In einem halben Jahr Corona haben wir eines gelernt: Was heute als Gewissheit scheint, kann sich schon morgen als falsch erweisen. Wichtig ist, jeden Schritt nüchtern zu hinterfragen, ohne ins Hysterische abzugleiten.

+++ Wichtige Nachrichten rund um das Thema Coronavirus finden Sie in unserem News-Ticker. +++

Von einer auf Demos beklagten „Diktatur“ ist Bayern weit entfernt, gleichzeitig hat uns der vorsichtige Weg mit Masken und Abstand Todeszahlen wie in Großbritannien, Italien und Frankreich erspart. Unsere Bilanz könnte viel schlechter sein – trotz aller Widersprüche.

Mike.Schier@ovb.net

Mehr zum Thema

Kommentare