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Wie gut bewältigen wir die Corona-Krise? Die Impfkampagne als Bewährungstest

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  • Georg Anastasiadis
    vonGeorg Anastasiadis
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Wir alle werden uns, wenn die Corona-Krise vorbei ist, viel zu verzeihen haben, hat Gesundheitsminister Jens Spahn mal gesagt. Das gilt heute mehr denn je. Dabei sollten wir uns vor Selbstgerechtigkeit hüten.

Diejenigen, die jetzt den späten harten Lockdown beklagen, sind nicht selten dieselben, denen vorher schon der sanfte Lockdown zu weit ging. Politik ist immer auch die Kunst des Möglichen. Man stelle sich den Aufschrei vor, wenn die Regierenden tatsächlich schon früh im Oktober, als die Zahlen langsam nach oben gingen, das Land zugesperrt hätten.

Was jetzt im Rückblick als föderale Uneinigkeit gegeißelt wird, war vor wenigen Wochen noch das legitime Ringen um den richtigen, zwischen Gesundheitsschutz, Schülerwohl und berechtigten ökonomischen Anliegen abwägenden Weg.

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Ab sofort muss der Blick wieder nach vorne gerichtet sein. Zusperren ist einfach. Wahre Regierungskunst beweist derjenige, der jetzt Langfristkonzepte für die Zeit nach dem Lockdown entwickelt. Dazu gehört der effektive Schutz der Heime und überhaupt der gefährdeten Gruppen (warum nicht besondere Einkaufszeiten für Ältere?).

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Dazu gehört die Einführung einer in asiatischen Ländern bewährten Warn-App, die nicht nur jenen gefallen will, die Datenschutzbedenken über das Recht auf Leben und Arbeiten stellen und gleichzeitig selbst auf Facebook alles Mögliche über sich preisgeben. Dazu gehört der Aufbau intelligenter Schulkonzepte, damit sich unser Land nicht länger mit Bildern frierender Schüler blamiert. Dazu gehört, nicht jene Geschäftsmodelle mit Steuerzahlergeld zu retten, die schon vor Corona nicht funktionierten.

Vor allem aber muss Deutschland sein berühmtes Organisationstalent bei der anlaufenden Impfkampagne beweisen. Zu hoffen ist, dass die Impfzentren nicht zu Flaschenhälsen werden, weil die Hausarztpraxen nicht genügend einbezogen werden in die Aufgabe, viele Millionen Deutsche rasch zu immunisieren. Das könnte zum ultimativen Test werden, wie gut unser Land die Pandemie bewältigt. Traurig genug, dass Briten und Amerikaner schon jetzt den Mainzer Biontech-Impfstoff erhalten, nicht aber die Bürger des Landes, in dem das Vakzin entwickelt wurde.

Georg.Anastasiadis@ovb.net

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