Meinung

Der Duden gendert: Die große Anmaßung

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Der Online-Duden schafft das generische Maskulinum ab – das darf keine Randnotiz bleiben. Denn anders als Politiker und Journalisten, die das Gendern immer öfter als Ausweis vermeintlicher Fortschrittlichkeit vor sich hertragen, besitzt der Duden sprachliche Autorität. Was er schreibt, gilt.

Bisher setzte das voraus, dass er die Realität des Sprachgebrauchs auch wirklich abbildet. Aber davon hat man sich offenbar verabschiedet. Stattdessen zeigt die Duden-Redaktion nun, wie es manche gerne hätten. Sie macht Sprachpolitik – das steht ihr nicht zu.

Geht es nach dem Verlag, soll das Wort Lehrer künftig nicht mehr eine Gruppe von Lehrkräften (unabhängig vom Geschlecht) bezeichnen, sondern einzig Männer. Er reiht sich damit bei jenen ein, die das Deutsche für pflegebedürftig halten – und ignoriert, welche Anmaßung darin steckt. Es stimmt, Sprache entwickelt sich.

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Aber sie hat das jahrhundertelang ganz gut ohne Betreuung hinbekommen. Ihm nun mit Gewalt Gendersternchen, Binnen-Is oder ähnliches aufzudrücken, wie manche es wollen, führt dazu, dass das Deutsche sperriger, uneleganter, bürokratischer wird. Nur eines wird es nicht: gerechter. Wer etwa statt von Ärzten von Ärzt*innen spricht, marginalisiert die männliche Form (was bitte ist ein „Ärzt“?) und kondensiert alle anderen Geschlechter (trans, inter) zum Sternchen. Der Genderstern schafft nicht mehr Gerechtigkeit – er hierarchisiert.

Am Ende entscheiden keine Elfenbein-Konzepte oder Duden-Redaktionen über den Lauf der Sprache, sondern die Sprecher-Gemeinschaft. Das gibt Grund zur Hoffnung.

Marcus.Maeckler@ovb.net

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