Meinung

Kampf um den Parteivorsitz: Die CDU weicht vom Abgrund zurück

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  • Georg Anastasiadis
    vonGeorg Anastasiadis
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Kommentar – Die CDU hat in dieser Woche einen Blick in den Abgrund geworfen – und ist schaudernd zurückgewichen: Mit gut einem Monat Verspätung soll nun doch die Wahl des neuen Parteichefs stattfinden. Friedrich Merz hat sich mit der unausgesprochenen Drohung, die Partei sonst in zwei Teile zu zerreißen, durchgesetzt. Doch sein Sieg ist teuer erkauft.

Er trägt nach seinen polternden Angriffen auf das CDU-„Establishment“ nun das Kainsmal des „Sauerland-Trumps“, dem der eigene Erfolg wichtiger ist als die Partei.

Dass es soweit kommen musste, ist aber nicht allein seine Schuld. Es ist eine Lachnummer, dass ausgerechnet die Merkel-Partei, die den Bürgern, Eltern, Gastronomen in der Coronakrise so viel Veränderung und Improvisationstalent zumutet, selbst an der vergleichsweise simplen Organisation eines digitalen Parteitags scheitert. Der sich stets so freundlich gebende Merz-Rivale Armin Laschet war machtbewusst und skrupellos genug, diesen Umstand zu nutzen, um den für ihn ungünstigen Dezember-Wahltermin im Handstreich abzuräumen.

Folgen für das gesamte Staatswesen drohen

So groß ist der Wirbel um die zweite Corona-Vollbremsung, dass viele Bürger übersehen, welche Gefahr von den vermeintlich innerparteilichen CDU-Streitereien für das ganze Land ausgeht. Die CDU ist die Staatspartei, die stabile Mitte Deutschlands, die in 71 Jahren Bundesrepublik 51 Jahre lang den Kanzler stellte. Zerfiele die Union in ihrem Richtungskampf dauerhaft in zwei Lager, hätte das Folgen für das gesamte Staatswesen.

Diese Gefahr scheint nun fürs Erste gebannt, mit Konsequenzen auch für den heftig auf die Kanzlerwürde schielenden Münchner Regenten Markus Söder. Gleich, ob am Ende Laschet oder Merz den Kampf um Merkels CDU-Erbe gewinnt: Angesichts der Härte, mit der sich beide seit Monaten bekriegen, wird der Sieger am Ende kaum einem anderen die Kanzlerkandidatur überlassen.

Georg.Anastasiadis@ovb.net

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