Meinung

Richtungskampf auf dem Parteitag: Die CDU und der vierte Kandidat

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  • Georg Anastasiadis
    vonGeorg Anastasiadis
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Acht Vorsitzende hat die Staatspartei CDU in 75 Jahren Bundesrepublik gekürt, und selten hat es zuvor an Hinweisen auf die Schicksalhaftigkeit der jeweiligen Wahl gefehlt. So auch diesmal nicht.

Zur Abstimmung steht auf dem nicht zufällig zweimal verschobenen Parteitag die Verlängerung der Ära Merkel ohne Merkel oder der Neuaufbruch mit Friedrich Merz. Und doch unterscheidet sich die Wahl des neunten Parteichefs von jeder vorher: Egal ob der Kandidat oder die Kandidatin nun Adenauer, Erhard, Kiesinger, Barzel, Kohl, Schäuble, Merkel oder Kramp-Karrenbauer hieß – stets war sich die Partei sicher, dass der beste Mann (oder die beste Frau) der CDU auch der beste Vorschlag für das Bundeskanzleramt sein würde.

Das ist diesmal anders. Wie sehr, zeigen die hektischen Manöver, mit denen die drei Kandidaten in dieser Woche ihr Glück zu erzwingen suchten: Außenseiter Norbert Röttgen empfahl sich den Delegierten mit der Verheißung, im Falle seiner Wahl dem CSU-Chef Söder den Kanzler-Vortritt zu lassen, der sonst so forsche Friedrich Merz hielt dasselbe im Falle seines Sieges für immerhin „theoretisch“ möglich, und der blasse Favorit Armin Laschet mäanderte mal wieder in der Mitte. Dass die Bewerber um den Stuhl Adenauers, Kohls und Merkels just den möglichen eigenen Verzicht auf die Kanzlerschaft als Wahlkampf-Lockmittel einsetzen, das ist neu.

Und so dürften etliche der Stimmen, die die 1001 Delegierten morgen für die drei Bewerber abgeben, in Wahrheit auf den vierten Mann entfallen, der in einigen Planspielen Söder heißt, in anderen Spahn. Das zeigt, für wie risikobehaftet sie in der CDU jeden der drei Vorsitz-Aspiranten halten – und wie erschöpft und zerrissen die Partei nach 16 Jahren Linksdrift unter Angela Merkel ist.

Georg.Anastasiadis@ovb.net

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