Meinung

Norbert Röttgens Attacke gegen die FDP: Die CDU am grünen Faden?

-
+
-

Norbert Röttgen ist im Kandidaten-Trio für den Vorsitz der CDU der profilierteste Befürworter einer schwarz-grünen Koalition im Bund. So weit, so bekannt. Dass der Rheinländer aber wenige Tage vor dem Showdown der Christdemokraten jede Brücke zu den Liberalen abbricht, ist hanebüchen – strategisch wie inhaltlich.

Seine Begründung: Die FDP habe mit ihrem Abbruch der Jamaika-Gespräche 2016 historisch versagt, die Liberalen seien deshalb „unsichere Kantonisten“, meint Röttgen.

Hoppla, da legt einer aber strenge Maßstäbe im Umgang mit Fehlern an – bei anderen. Bei eigenen Sünden befleißigt sich Röttgen dagegen christlicher Vergebung. Wie war das noch mal 2012? Da wollte der damalige Bundesumweltminister zwar Ministerpräsident in Nordrhein-Westfalen werden, doch als er die Wahl erfolgreich vergeigt hatte, war er sich zu fein, um seinen weichen Berliner Ministersessel gegen die harte Oppositionsbank in Düsseldorf einzutauschen. Verantwortungslos, urteilten damals die Kritiker und weinten ihm keine Träne nach, als Kanzlerin Merkel ihn schließlich schasste.

Weitere Kommentare zu politischen und gesellschaftlichen Themen finden Sie hier.

Armin Laschet und Friedrich Merz kann Röttgens grüne Offenbarung nur recht sein. Wer das Schicksal der CDU einseitig an ein Alleinbündnis mit den Grünen knüpfen will, ist angesichts vieler erfolgreicher schwarz-gelber Koalitionen nicht nur geschichtsvergessen. Er verwirft im Ringen um freiheitliche Antworten auf Zukunftsfragen auch leichtfertig Optionen nach der Bundestagswahl.

Alexander.Weber@ovb.net

Kommentare