Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für . Danach können Sie gratis weiterlesen.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf
  • Jetzt für nur 0,99€ im ersten Monat testen
  • Unbegrenzter Zugang zu allen Berichten und Exklusiv-Artikeln
  • Lesen Sie nahezu werbefrei mit aktiviertem Ad-Blocker
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.


Meinung

Die Angst der Deutschen vor Putin

Georg Anastasiadis online rahmen
+
Georg Anastasiadis
  • Georg Anastasiadis
    VonGeorg Anastasiadis
    schließen

In Deutschland wächst die Furcht, von der Kriegsfurie heimgesucht zu werden. Es wäre allerdings gefährlich, wenn Berlin in der derzeitigen Situation den Weg der strategischen Zweideutigkeit und der stillschweigenden Verständigung mit dem Kreml wählen würde.

In der Ostukraine ist Putins Krieg seit gestern in eine neue Phase eingetreten: Jetzt geht es dem Kreml um die völlige Vernichtung des Landes, das seine selbst ernannten „Befreier“ weder fahnenschwenkend begrüßen noch sich ihnen kampflos unterwerfen wollte. Die Bomben detonieren in Charkiw, Mariupol und Donezk, doch die Erschütterungen werden auch in Deutschland mit jedem Tag spürbarer. Wie nirgendwo sonst wächst im Mutterland zweier Weltkriege die irrationale Züge annehmende Furcht, selbst abermals von der Kriegsfurie heimgesucht zu werden. Russlands Politiker, die die Gemütslage der Bundesbürger kennen, unterlassen nichts, um mit fortgesetzten (Atom-)Drohungen Angst in der Bevölkerung und Streit unter den Parteien zu schüren.

In der Linkspartei, der AfD, aber auch großen Teilen der SPD hat Russlands Narrativ viele Anhänger. Sie sagen: Waffenlieferungen erhöhen die Gefahr, dass ein schlafwandelndes Europa wie 1914 in die Kriegskatastrophe stolpern könnte. Doch ist diese Betrachtung in vielerlei Hinsicht falsch: Anders als 1914, als eine Art Kriegseuphorie herrschte, will heute niemand in Europa einen großen Krieg, übrigens auch Russland nicht, denn dieser wäre für das Land mit seiner, wie nun alle wissen, desolaten Armee niemals zu gewinnen. Außerdem ähnelt die historische Ausgangslage heute viel mehr dem Jahr 1939, als ein aggressives Land – Hitlerdeutschland – Europa terrorisierte und sich durch die Appeasementpolitik der anderen erst richtig zu weiteren Kriegsabenteuern ermutigt fühlte.

Waffen für die Ukraine helfen, Putin in Osteuropa zu stoppen, damit es nicht kommt wie 1939 und der Aggressor sich dem nächsten Opfer zuwendet, wenn er mit der Ukraine fertig ist. Denn dieses Opfer könnte nach allem, was Putin über seine Pläne offenbart hat, das Nato-Gebiet Baltikum sein – womit Deutschland tatsächlich in einen Krieg hineingezogen würde. In Finnland, wo man den russischen Nachbarn besonders gut kennt, hat der frühere Premier Alexander Stubb jetzt eine deutliche Warnung an alle gerichtet, die sich vor Putin wegducken zu können glauben: „Wer Schwäche zeigt, wird überfallen.“ 

Europa rückt unter der Bedrohung zusammen. Schweden, Finnland, sogar die Schweiz und der lange unsichere Kantonist Türkei entdecken gerade (wieder) den Wert einer stabilen Verankerung im Westen. Es wäre gefährlich, wenn Deutschland für sich einen anderen Weg wählen würde, nämlich den der strategischen Zweideutigkeit und der stillschweigenden Verständigung mit dem Kreml in der Tradition der blauäugigen, einseitig auf Geschäftsinteressen fixierten Politik von Schröder und Merkel. Es gibt nicht wenige Bürger und Politiker bei uns, die so tun, als sei in Wahrheit nicht die Ukraine das Opfer, sondern der deutsche Wohlstand, und die nicht Putins Bomben, sondern die ukrainische Gegenwehr für eine Zumutung halten. Deutschland war viel zu lange Trittbrettfahrer der Nato. Noch einmal werden unsere Freunde und Verbündeten uns nicht erlauben, dass wir uns unsere Sicherheit im Westen schnorren und die Geschäfte im Osten machen. Wer eine Führungsrolle spielen will, darf sich vor der Verantwortung nicht wegducken. Mit einer aktiven Rolle, die Mäßigung und einen kühlen Kopf mit Entschlossenheit verbindet, dient Deutschland dem Frieden in Europa am besten.

Georg.Anastasiadis@ovb.net

Mehr zum Thema

Kommentare