Deutschland legt Vorräte an Die Weitsicht des Hamsters

Deutschland legt Vorräte an. Die Weitsicht des Hamsters .

MARC BEYER

Im Internet kursieren zwei spektakuläre Fotos. Eines zeigt eine Frau mit Einkaufswagen, gefüllt allein mit Multivitamintabletten. Auf dem anderen kauft ein Mann Unmengen von Schokoriegeln. Er trägt eine Gasmaske.

Die Bilder stehen stellvertretend für die Hysterie, die sich in Teilen der Gesellschaft beim Thema Corona breitmacht. Dass hinter den schrillen Bildern aber ein weit verbreitetes Motiv steht, zeigt sich an vielen anderen Aufnahmen, auf denen leere Regale zu sehen sind. Vorräte anzulegen, ist eine Praxis, die für ältere Generationen selbstverständlich war. Heute trägt sie dagegen ein Etikett, das unverhohlen spöttisch klingt: Hamsterkäufe.

Das Hamstern ist besser als sein Ruf. Dahinter steckt das naheliegende Interesse, auf heikle Zeiten vorbereitet zu sein, auf dem Land eher als in Ballungszentren mit kurzen Versorgungswegen. Bürger vertrauen lieber sich selbst als staatlichen Stellen, die schon zu Beginn der Krise an ihre Grenzen zu stoßen drohen. Die weitsichtige Planung entspricht auch den Empfehlungen der Behörden.

Mit jedem neuen Tag, an dem sich das Virus weiter ausbreitet, dürfte das Hamstern deshalb den Ruf des Skurrilen stärker abstreifen. Was gestern noch albern erschien, kann schon morgen an manchen Orten bitternötig sein.

Marc.Beyer@ovb.net

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