Trumps Corona-Infektion: Der Vorteil liegt bei Biden

MARCUS MÄCKLER
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MARCUS MÄCKLER

Seine Corona-Erkrankung hätte für Donald Trump eine Chance sein können.

Doch statt Demut zu zeigen, statt die Genesungswünsche aus allen Lagern als Möglichkeit zu sehen, harte Fronten aufzubrechen, verhält er sich so verantwortungslos, wie man es von ihm erwartet. Mit seiner SUV-Spritztour hat der US-Präsident andere für ein paar billige Bilder gefährdet. Gut möglich, dass sich das bei der Wahl im November rächt.

Trumps Wahlkampfstrategie zielte zuletzt darauf ab, das Versagen seiner Regierung in der Corona-Krise effektvoll zu überspielen. Das gelang gut – auch beim beschämenden TV-Duell schaffte es Herausforderer Joe Biden nicht, ihn zu stellen. Mit seinem jetzigen Verhalten aber führt der Präsident den Amerikanern genau jene ignorante Haltung vor Augen, die zu den atemberaubenden Infektions- und Todeszahlen im Land geführt hat. Hartgesottene Trumpisten wird das nicht beirren. Sie werden vielmehr den Verharmlosungen glauben, denen der Präsident gestern („Haben Sie keine Angst vor Covid“) die Krone aufsetzte. Viele jene Unentschlossenen aber, die das Zünglein an der Waage sind, dürften sich von einem Mann abwenden, der sein Gelingen über alles stellt.

Trump wird versuchen, die Klinik-Entlassung als Ausweis von Stärke und Erfolg seines Krisenmanagements darzustellen. Dennoch: Der Vorteil liegt bei Biden. Womöglich muss er sich nicht mal mehr einem TV-Duell stellen, bei dem er, leicht tatterig, mehr zu verlieren als zu gewinnen hat. Ein Präsident Biden ist wahrscheinlicher geworden.

Marcus.Maeckler@ovb.net

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