4058 Corona-Neuinfektionen: Der Virus-Wahlkampf hat begonnen

GEORG ANASTASIADIS
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GEORG ANASTASIADIS

Das Robert-Koch-Institut warnt, dass die Corona-Lage in Deutschland bald außer Kontrolle geraten könnte.

In der Tat: Der sprunghafte Anstieg auf zuletzt 4058 Neuinfektionen an einem Tag ist ein Ausrufezeichen, das die Debattenlage verändern dürfte. Die Republik wird nervös. Erkennbar wurde das schon gestern an der Härte, mit der CSU-Chef Markus Söder und SPD-General Lars Klingbeil aneinandergerieten. Er sei „unanständig“ und ein „Mini-Trump“, der das Land spalte, bekam Söder nach seiner Kritik an der feierwütigen Bundeshauptstadt Berlin vom Genossen Klingbeil zu hören. Corona-Wahlkampf können nicht nur die Amerikaner. Auch in Deutschland hält ein Jahr vor der Bundestagswahl ein giftiger Ton Einzug.

Dabei wäre es so wichtig, gerade jetzt kühlen Kopf zu bewahren. Ja, die Infektionszahlen steigen. Auffällig aber ist, dass die Zahl der Klinikeinweisungen (und erst recht der Todesfälle) noch immer auf niedrigem Niveau verharrt. Bislang jedenfalls hat sich die düstere Prognose, die Zahl der Opfer werde jener der Infizierten auf dem Fuße folgen, (noch) nicht bewahrheitet. Das muss nicht so bleiben, aber erkennbar ist, dass die zweite Welle anders verlaufen könnte als die erste: Die Behandlungsmethoden sind erfolgreicher, die besonders gefährdeten älteren Mitbürger wissen nach sieben Monaten Koexistenz mit dem Virus, wie sie sich selbst besser schützen können.

Handlungsbedarf gibt es trotzdem. Das betrifft zum einen die Jungen, deren Bereitschaft, ihr Sozialleben zum Schutz der Alten einzuschränken, sichtlich ermüdet. Zum anderen sind es die migrantischen Parallelgesellschaften, in denen die Disziplin nachlässt – auch deshalb, weil die deutsche Politik sie mit ihren Appellen, etwa auf allzu ausschweifende Großhochzeiten zu verzichten, nicht erreicht. Dass sich, beispielsweise in Berlin und NRW, Corona dort besonders stark ausbreitet, wo der Ausländeranteil hoch ist, verlangt nach neuen Strategien des Corona-Managements, und zwar ohne falsche Tabuisierungen durch den rot-rot-grünen Berliner Senat. Generelle Lockdowns sind in der zweiten Welle der falsche Weg.

Georg.Anastasiadis@ovb.net

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