Bußgelder bei falschen Gästedaten: Der Staat auf schmalem Grat

MIKE SCHIER
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Masken in der Münchner Innenstadt, geschlossene Schulen, Geschäfte und Restaurants, Sport- und Kulturveranstaltungen fast ohne Zuschauer, Alkoholverbote auf öffentlichen Plätzen...

... als wir am 1. Januar fröhlich auf ein „gutes 2020“ anstießen, hätte keiner solche Szenarien auch nur ansatzweise für möglich gehalten. Immer wieder sollte man gedanklich diesen Schritt zurückgehen, um anzuerkennen, welch große Leistung unsere Gesellschaft im Kampf gegen die Pandemie vollbracht hat.

Gerade um die kollektive Vernunft weiter aufrecht zu erhalten, muss der Staat seine Eingriffe ständig hinterfragen. Es ist ein schmaler Grat. Dass jetzt bei falscher Erhebung von Gästedaten in Restaurants (im Januar ebenfalls unvorstellbar) drakonische Strafen drohen, könnte die Zustimmung zur Corona-Politik insgesamt gefährden. Schließlich hatten sich viele geärgert, dass ihre Daten, die sie gutgläubig für Gesundheitsämter hinterlassen hatten, später von der Polizei zweckentfremdet wurden. Auch deshalb trug mancher fortan falsche Namen ein.

Nie in der Geschichte der Bundesrepublik reichte der Arm des Staates so weit ins Leben der Menschen wie 2020. Doch die Freiheit des Einzelnen bleibt ein ganz zentrales Gut – das darf man trotz Corona nicht vergessen.

Mike.Schier@ovb.net

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