Debatte um Heilige Drei Könige: Der schwarze König gehört dazu

CLAUDIA MÖLLERS
+
CLAUDIA MÖLLERS

Zwei Monate vor Weihnachten kocht eine Debatte über die Krippe hoch. Die Frage, ob der schwarze König eine rassistische Darstellung ist, schlägt hohe Wellen.

Für plumpe Schwarzweißmalerei aber eignet sich dieses Thema nicht. Denn Ausgangspunkt ist gar nicht die Frage, ob die Figur des Königs ein Zeichen von Rassismus sei. Im aktuellen Fall geht es darum, wie der schwarze König dargestellt ist: als verwachsene Gestalt mit krummen Beinen und dicken Lippen. Es ist nachvollziehbar, wenn Betrachter diese Figur mit ihren klischeehaften Ausprägungen – Freiheit der Kunst hin oder her – als ein materialisiertes Vorurteil empfinden können.

Dass aber nun darüber diskutiert wird, ob der schwarze König grundsätzlich verschwinden muss, ist ein Beispiel für undifferenzierte Aufgeregtheit im Internetzeitalter. Da wird emotional alles zusammengerührt. Dass man heute Schokokuss statt Negerkuss sagt, ist voll und ganz berechtigt. Fragwürdig wird es aber, wenn Mohren-Apotheken ihren Namen ändern sollen – obwohl man weiß, dass der Name eine geschichtliche Verbeugung vor der Arzneikunst der Mauren ist. Auf dunkelhäutige Menschen-Darstellungen vorsorglich verzichten, weil jede Erwähnung als rassistisch empfunden werden könnte? Das wäre erst recht Diskriminierung – und zwar aus Angst.

Lesen Sie auch: Darstellung der Heiligen Drei Könige: Bayerische Kirchengemeinde entfacht Rassismus-Debatte

Der schwarze König ist ein König – er gehört an die Krippe wie die beiden anderen Weisen, wie die Hirten und die Engel. Eine überzeichnete Figur wie in Ulm indes passt nicht mehr ins Bild. Eine kommentierende Plakette sollte ein Anstoß zu Gesprächen sein, die weit über emotionale Aufregung hinausführen. Das wäre eine weise Entscheidung!

Claudia.Moellers@ovb.net

Kommentare