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Flughafen Berlin: Der Pleitegeier kreist – über dem Steuerzahler

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 WOLFGANG HAUSKRECHT.

Man glaubt es kaum: Nach 14 Jahren Bauzeit hebt am neuen Flughafen Berlin-Brandenburg (BER) die erste Maschine ab. Zu feiern gibt es nicht viel. Der BER ist ein Symbol für Fehlplanung und Missmanagement. Und der Blick in die Zukunft sieht ebenfalls düster aus.

In Zeiten von Corona bleibt dem BER immerhin erspart, gleich zu klein zu sein. Nur 28 Millionen Fluggäste pro Jahr kann er derzeit bedienen – von Tegel und Schönefeld starteten 2019 insgesamt 35,6 Millionen Menschen. Wirklich tröstlich ist dies aber nicht. Denn wegen Corona rechnet die Flughafengesellschaft Berlin-Brandenburg (FBB) anfangs mit nur 20 Prozent Auslastung. Bleibt das so, ist das finanzielle Desaster absehbar.

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Ein Finanzloch nach dem anderen

Schon zu Bauzeiten kreiste der Pleitegeier über dem Projekt. Dass er nicht landete, liegt daran, dass der BER der öffentlichen Hand gehört. Die Länder Berlin und Brandenburg halten je 37 Prozent, der Bund 26 Prozent. Die FBB drücken enorme Schulden, und sie hat einen Förderbedarf von 792 Mio. Euro von 2021 bis 2024 errechnet – vor Corona! Durch das Virus dürfte die Summe auf weit über eine Milliarde Euro steigen.

Ob und wann der BER schwarze Zahlen schreibt, weiß niemand. Wahrscheinlicher ist, dass sich ein Finanzloch nach dem anderen auftut. Auf Bankkredite braucht die FBB nicht zu hoffen. Außer der Staat bürgt. Begleichen wird die Rechnung am Ende also – der Steuerzahler.

Wolfgang.Hauskrecht@ovb.net

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