Meinung

Brauchtumsstreit trotz Corona: Der Maschkera, ein Anarchist

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Warum hängt der Werdenfelser, der echte Einheimische, so an seiner Tradition, drei Abende die Woche maskiert und verkleidet durch den Ort zu ziehen? Obwohl es zurzeit eigentlich klar sein müsste, dass wegen Corona kein Fasching erlaubt ist? Um das – Corona hin oder her – nachvollziehen zu können, muss man den Maschkera an sich verstehen.

Er braucht keine Prunksitzungen. Keine buntverzierten Wagen. Keine roten Pappnasen. Das Werdenfelser Land unterscheidet sich nicht nur durch seinen befremdlichen Zungenschlag vom Rest der Bundesrepublik. Hier wird noch das wahre Wesen des Faschings, die „Fosnocht“, verkörpert. Als letztes Bollwerk des Brauchtums in einer moderner werdenden Welt.

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Die närrische Ausgelassenheit geht auf heidnische Bräuche zurück. Mit Lärm und Holzlarven werden der Winter und böse Geister vertrieben. Der Maschkera geht dabei in kleinen Gruppen. Bleibt unter sich. In früheren Zeiten ohne Meinungsfreiheit hat er seine „Heilige Fosnocht“ obendrein genutzt, um Missstände aufzudecken.

Den Obrigkeiten eins auszuwischen, sich anonym über sie lustig zu machen. Ein anarchischer Freiraum. Für die Werdenfelser ist das die fünfte Jahreszeit. Es geht ihm um mehr, als einfach nur Spaß zu haben. Der Maschkera lebt das Brauchtum. Er ist kein Event. Keine Touri-Attraktion, die sich nach Belieben vermarkten lässt. Der Maschkera geht für niemanden, außer für sich.

Josef.Hornsteiner@ovb.net

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