Meinung

Der Militärputsch in Myanmar: Der lachende Dritte ist China

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Die Träume waren groß – leider hielten sie der Realität nie stand. Der Putsch in Myanmar besiegelt das Ende eines ohnehin völlig erlahmten Demokratisierungsprozesses. Nun herrschen ganz offiziell wieder die, die im Hintergrund ohnehin stets die Macht hatten: die Militärs.

Dass ihnen die einst gefeierte Freiheitsikone Aung San Suu Kyi über Jahre als freundliches Feigenblatt diente, ist eine traurige Volte dieser Geschichte. Ihr Schweigen zum Mord an den muslimischen Rohingya war ein seltenes moralisches Versagen und nutzte ihr, wie nun zu sehen ist, am Ende nicht.

Dennoch ist der Putsch nicht hinnehmbar – im Gegenteil. Er sorgt nicht nur im Inneren für Unruhe, weil die Menschen sich um das kleine Fünkchen Hoffnung auf mehr Demokratie betrogen sehen. Er ist auch international von einiger Bedeutung. Die schon von Barack Obama betriebenen Bemühungen, das Land aus dem Einflussbereich Chinas zu lösen, stehen vor dem Scheitern, die neue Militärführung dürfte sich wieder klarer dem Nachbarn zuwenden.

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Damit ist auch die neue Regierung in Washington herausgefordert. Ihr erklärtes Ziel ist es, die Ausbreitung des chinesischen Autoritarismus in Asien zu bremsen. Myanmar könnte zu einer frühen Prüfung für Joe Biden werden.

Marcus.Maeckler@ovb.net

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