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MEINUNG

„Weiter so“ in der Union: Der Hilfeschrei bleibt unerhört

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  • Georg Anastasiadis
    VonGeorg Anastasiadis
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Schneller als Deutschlands Impfhoffnungen verflüchtigen sich nur noch die Prozente der Union: 29 davon sind noch übrig, der traurigste Wert seit Ausbruch der Pandemie. Das Ausbleiben jeder sichtbaren Reaktion auf das Wahlfiasko im Südwesten kostet weiteres Vertrauen.

Noch immer hat die Kanzlerin für den Hilfeschrei der Bürger kein Wort übrig, geschweige denn eine Umbildung ihres schwachen Kabinetts. Es ist, als ginge sie das alles nichts mehr an. Und CDU-Chef Laschet beschreibt im TV wortreich Kandidatur-Fahrpläne, statt zu sagen, wie er die Union aus dem Jammertal herausführen will. Das grenzt an Führungsverweigerung. Statt „wir haben verstanden“ nur ein bräsiges „Weiter so“.

Wir erinnern uns: Als Armin Laschet, unterstützt von Jens Spahn, beim Parteitag im Januar Friedrich Merz knapp niederrang, versprach er dessen tief enttäuschten Anhängern, ihn in einer herausgehobenen Position einzubinden. Doch den Worten folgten keine Taten. In Wahrheit will der CDU-Chef den alten Rivalen gar nicht haben, auch nicht als künftigen Wirtschaftsminister, weil er ihm zu unbequem, zu wenig steuerbar und zu wenig „modern“ für die ergrünte CDU ist. Wofür aber will die Union gewählt werden, wenn sie weder Inhalte noch Personen ins Schaufenster stellen kann? Der kantige Merz bindet Millionen Wähler. Für Laschet, Altmaier und Spahn werden nicht viele ihr Kreuz bei der CDU machen wollen.

Es wirkt, als kehre die gespenstische Spätphase der (später krachend abgewählten) Regierung Kohl zurück: Merkel regiert nur noch auf eigene Rechnung, hofft auf ein halbwegs glimpfliches Ende ihrer vom Virus befallenen Kanzlerschaft und rührt keinen Finger für ihre taumelnde Partei. Immer mehr zeigt sich, dass sie die CDU nie als politische Heimat gesehen hat, sondern als physikalisches Experiment. Das Ergebnis ist jetzt zu begutachten.

Georg.Anastasiadis@ovb.net

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