Meinung

Regierungskrise in Italien: Der Faktor Conte

-
+
-

Giuseppe Conte war bis zum Sommer 2018 ein weitgehend unbekannter, aber geachteter Jura-Professor. In zweieinhalb Jahren als italienischer Ministerpräsident hat der 56-Jährige Gefallen an der Macht gefunden.

Von Julius Müller-Meiningen

Conte stellt eine politische Einzigartigkeit dar, der Mann ist Mitglied in keiner Partei, hat keine Hausmacht, auf die er sich stützen kann. Und doch ist Conte Italiens beliebtester Politiker und in der Regierungskrise in Rom der entscheidende Faktor. Dass er im Amt bleiben will, gilt als sicher.

Dass die von Ex-Premier Matteo Renzi de facto aufgekündigte Links-Koalition aus Fünf-Sterne-Bewegung, Sozialdemokraten und der Renzi-Partei Italia viva dafür aber nicht mehr infrage kommt, scheint ebenso klar. Die persönlichen Animositäten zwischen Renzi und Conte sowie der Ehrgeiz der beiden Männer sind nicht mehr kompatibel. Die „Grillini“ stehen weiter hinter Conte, weil er sie vor der Bedeutungslosigkeit bewahrt.

Weitere Kommentare zu politischen und gesellschaftlichen Themen finden Sie hier.

Der Premier macht sich nun auf die Suche nach neuen Koalitionspartnern, die er in dem verstreuten Haufen aus ihren Parteien ausgescherter Parlamentarier finden könnte. Ob dafür eine Handvoll unberechenbarer Politiker genügt, ist fraglich. Das italienische Staatsschiff navigiert gerade auf Sicht. Angesichts der Pandemie und ihrer Folgen ist das keine beruhigende Nachricht.

Redaktion@ovb.net

Kommentare