Meinung

Pekings Vorgehen in Hongkong: Demokraten wollen kein Feigenblatt sein

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  • vonAlexander Weber
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„Ist der Ruf erst ruiniert, lebt es sich ganz ungeniert.“ Dieses geflügelte Wort passte bisher eher auf manche in der westlichen Welt, doch scheint es jetzt auch für die politische Führung Chinas zu gelten.

Erstaunlich in einem Land, in dem es traditionell zu den schlimmsten Sünden zählt – ob privat oder öffentlich – sein Gesicht zu verlieren. Genau dies ist bei der Regierung von Präsident Xi jedoch schon geraume Zeit der Fall. Nicht nur in Hongkong, aber dort am offensichtlichsten.

1997, bei der Übergabe der einstigen britischen Kronkolonie an China, war noch von „Ein Land, zwei Systeme“ die Rede, von wirtschaftlichen Freiheiten und weitgehender Autonomie der Sonderverwaltungsregion – für 50 Jahre. Heute, kaum 23 Jahre später, ist davon so gut wie nichts mehr übrig. Der heiße Atem des roten Drachens in Peking dringt bis in die letzte Ritze im Häusermeer des „duftenden Hafens“. Die Niederschlagung der Demokratiebewegung hat mit dem gestrigen Rücktritt der Opposition einen traurigen Höhepunkt erreicht. Die Freiheit der Hongkonger besteht offenbar nur noch darin, Befehle aus Peking umzusetzen. Im Sinne der Übergangsvereinbarungen ein glatter Wortbruch.

Es ist verständlich, dass die Abgeordneten der Opposition für dieses diktatorische Spiel Pekings nicht länger das demokratische Feigenblatt spielen wollen.

Alexander.Weber@ovb.net

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