Debatte um Gesichtserkennung Unsere Freiheit steht auf dem Spiel

Debatte um Gesichtserkennung. Unsere Freiheit steht auf dem Spiel .

ALEXANDER WEBER

Ein gesuchter Verbrecher wird an einem Bahnhof von einer Gesichtserkennungs-Kamera identifiziert und kann wenig später von der Polizei dingfest gemacht werden. Wer kann dagegen etwas haben? Außer dem Ganoven wohl niemand. Die Debatte um die Gesichtserkennung im öffentlichen Raum geht allerdings weit über diesen Idealfall hinaus. Hier steht nicht weniger als die Gretchenfrage im Raum, wie individuelle Freiheit – das Fundament unserer demokratischen Ordnung – im digitalen Zeitalter verteidigt werden kann.

Ein Blick jenseits unserer Grenzen macht deutlich, was auf dem Spiel steht. Die Diktatoren in China nutzen unter anderem die Gesichtserkennung, um ihre Bürger so detailliert zu überwachen, dass die Partei deren tägliches Leben als Wohl- oder Fehlverhalten bewerten und entsprechend ahnden kann: bis hin zur Job- oder Wohnungssuche. Mindestens genauso beunruhigend sind Nachrichten über ein US-Unternehmen, das drei Milliarden Bilder von Menschen aus dem Internet zu einer gigantischen Datenkrake gebündelt hat. Diese Informationen über die „gläsernen Bürger“ bietet es Dritten zur Nutzung an. Wer die sind, will die Firma nicht offenlegen. Dem Missbrauch von staatlicher wie privater Seite ist Tür und Tor geöffnet. Auch in der EU wird über die Gesichtserkennung debattiert. Ein gangbarer Weg zwischen Sicherheitsinteressen und Freiheitsrechten ist derzeit noch nicht zu erkennen.

Alexander.Weber@ovb.net

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