Debatte um Dienstjahr Bitte keinen Staats-Zwang!

Debatte um Dienstjahr. Bitte keinen Staats-Zwang! ALEXANDER WEBER.

„Frage nicht, was dein Land für dich tun kann – frage, was du für dein Land tun kannst.“ Dieses berühmte Postulat John F. Kennedys ist aktueller denn je: Unsere Gesellschaft leidet an inneren Zerfallsprozessen durch überzogenen Individualismus und schwindenden Allgemeinsinn. Der Vorstoß von CDU-Chefin Kramp-Karrenbauer für ein allgemeines Dienstjahr für junge Menschen soll dem Ziel dienen, den bröckelnden Kitt unserer Gesellschaft durch ein Jahres-Engagement für die Allgemeinheit wieder zu festigen. Der Grundgedanke ist richtig, die Umsetzung in Form einer staatlichen Zwangsverpflichtung wäre jedoch falsch.

Und das nicht nur aus rechtlichen Gründen, die sich etwa aus Artikel 12 des Grundgesetzes ableiten. Es ist noch nicht lange her, da glaubte der Staat, einen Teil der Jugendlichen im Schweinsgalopp durchs Gymnasium (G8) jagen zu müssen, damit sie im globalen Wettbewerb keine Zeit für den Arbeitsmarkt verlieren. Ein Pflicht-Dienstjahr würde die staatliche Logik ad absurdum führen. Im Übrigen braucht das Rad nicht neu erfunden zu werden. Das freiwillige soziale Jahr gibt es bereits. Allerdings machen nur 40 000 junge Leute mit. Statt eine Dienstpflicht zu oktroyieren, sollte man lieber überlegen, wie man diesen Freiwilligendienst attraktiver macht. Durch Steuervorteile, Bonuspunkte für Studium und Rente oder anderes. Der Phantasie sollten keine Grenzen gesetzt werden.

Alexander.Weber@ovb.net

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