Dauerstreit um Bon-Pflicht Unmodern und ärgerlich

Dauerstreit um Bon-Pflicht. Unmodern und ärgerlich .

CHRISTIAN DEUTSCHLÄNDER

Deutschland knüllt, faltet, schmeißt weg und ärgert sich über den Zettel-Salat: In der Bevölkerung gibt es kaum Verständnis für die neue Pflicht zum Papier-Beleg. Das war zu erwarten, die Politik muss mit neuen Gesetzen zu einem realen Problem – Umsatzsteuerbetrug in Milliardenhöhe – auch nicht jedem alles recht machen. Wenn eine Regelung aber in solcher Breite Unverständnis, Spott, Groll erntet, bei Verbänden, Händlern, Handwerkern wie Kunden, dann ist ein Überdenken nötig.

In mehreren Punkten hakt die Umsetzung seit Januar. Die versprochenen Ausnahmeregeln für bestimmte Betriebe werden offenbar in der Verwaltung systematisch blockiert. Für jeden Semmelkauf reichen die Händler nun im Massengeschäft das umstrittene Thermopapier aus. Digitale Bon-Systeme haben sich – das ist auch ein Fehler des Handels – nicht durchgesetzt. Mag sein, dass Bundesfinanzminister Scholz das noch für modern hält, für den Hightech-Standort Deutschland ist der Kassenbon-Blödsinn schlicht eine Peinlichkeit.

Zur Erinnerung: Im Dezember sagte Kanzlerin Merkel persönlich vor dem Bundestag, sie sei offen für Ausnahmen bei der Bon-Pflicht: „Vielleicht kann man sich da auch vernünftigere Dinge vorstellen.“ Nun: Vielleicht wär’s jetzt an der Zeit, dieses Lippenbekenntnis mit Leben zu erfüllen. Die Politik ist nicht allein schuld am Bon-Ärger, aber sie kann nun nachsteuern. Am besten beginnt der Koalitionsausschuss schon morgen damit.

Christian.Deutschlaender@ovb.net

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