Die Datenkraken im Internet Eine Gefahr für die Freiheit

Die Datenkraken im Internet. Eine Gefahr für die Freiheit .

MIKE SCHIER

Der Generalanwalt des Europäischen Gerichtshofs ist milde gestimmt: Gegen die Übertragung der Daten europäischer Facebook-Kunden in die USA hegt der Gutachter im Verfahren des österreichischen Aktivisten Max Schrems wenig bis keine Bedenken. Ein Erfolg für das Unternehmen, das mit seinen intimen Kenntnissen über zig Millionen Menschen Milliarden scheffelt – denn meist folgt der EuGH der Empfehlung der Gutachter.

Damit liegt der Ball wieder im Feld der (europäischen) Politik. Immer größer ist in den vergangenen Jahren die Macht der Datenkraken wie Google oder Facebook geworden. Die allermeisten Verbraucher überlassen den Konzernen ihre Daten relativ gedankenlos, weil sie ja im Gegenzug gratis sehr viele Dienstleistungen bekommen, die das Leben erleichtern. So entstehen Monopole, die mit einer freien Gesellschaft schwer in Einklang zu bringen sind. Bewegungsprofile, Gesichtserkennung, medizinische Daten, Konsumvorlieben, sexuelle Ausrichtung, politische Einstellung. Die Konzerne – oder besser: ihre Algorithmen – wissen Dinge über uns, die wir oft in der Familie nicht erzählen würden. Längst lenken sie uns in den Echokammern des Netzes, ohne dass wir es merken. Übrigens auch Menschen ohne Facebook-Account!

Diese Macht schränkt nicht nur den Wettbewerb ein und schädigt den Mittelstand, sondern kann auch zu Manipulationen im Wahlkampf führen. Die EU-Wettbewerbshüter nehmen das alles derzeit unter die Lupe. Gut möglich, dass der Kampf gegen die Internetriesen und für die Freiheit eines der großen europäischen Projekte 2020 wird.

Mike.Schier@ovb.net

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