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Kanzlerin will Reisen verbieten: Das Kanzleramt auf eigenem Kurs

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  • Mike Schier
    vonMike Schier
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Die Situation wirkt nahezu schizophren: Täglich meldet das Robert-Koch-Institut sinkende Inzidenzzahlen, in Oberbayern lag sie gestern bei 90,47. Erste Forderungen nach Lockerungen werden laut. Zugleich wirkt die Kanzlerin in den Äußerungen, die durch die verschlossenen Türen nach außen dringen – für ihre Verhältnisse – nahezu hysterisch.

„Uns ist das Ding entglitten“, soll sie gesagt haben. Offenbar zeichnen ihr die Experten gespenstische Szenarien durch die drohende Mutation des Virus.

Nun ja, „entglitten“ ist den Politikern vor allem die Situation in den Alten- und Pflegeheimen, wo die Inzidenzwerte weit über denen der restlichen Bevölkerung liegen. Täglich neuen Ärger gibt es auch beim Impfen. Die Bevölkerung dagegen verhält sich zum größten Teil weiter diszipliniert, weshalb Merkels neueste Überlegung, jetzt auch noch Reisen zu verbieten, übertrieben wirkt.

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Das vereinte Europa, das die Kanzlerin so gerne hochhält, reduziert sich nämlich nicht darauf, gemeinsam die Impfstoffbeschaffung zu versemmeln, sondern es heißt für Millionen Menschen auch, enge Geschäftsbeziehungen in andere EU-Länder zu pflegen oder mit ihren Familien in Kontakt zu bleiben. Auch persönlich.

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Das Raumschiff Kanzleramt scheint derzeit auf eigenen Bahnen unterwegs. Helge Braun träumt schon von einer Grundgesetzänderung und einem Aushebeln der Schuldenbremse. Offenbar ist tatsächlich Vorsicht geboten – nicht nur beim Kampf gegen eine gefährliche Pandemie.

Mike.Schier@ovb.net

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