Meinung

Russlands Olympia-Sperre halbiert: Das Gericht ist leicht rumzukriegen

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Die schöne Schlagzeile, dass Russland von den Olympischen und Paralympischen Spielen 2021 in Tokio und 2022 in Peking ausgeschlossen wird, erzählt natürlich nur die halbe Wahrheit.

Athleten und Mannschaften aus dem Land, das durch staatlich organisiertes Doping straffällig wurde und auch danach unbelehrbar blieb, dürfen unter bestimmten Bedingungen durchaus teilnehmen – nur halt unter neutraler Flagge. Dass es in Einzelfällen nicht zu ungerechtfertigter Inhaftungnahme kommt, das war im Rahmen des vierjährigen Russland-Ausschlusses ja schon gewährleistet.

Umso unangebrachter, dass der Sportgerichtshof CAS die Sperre auf zwei Jahre halbierte. Denn neue Fakten, die entlastend gewesen wären, sind von russischer Seite nicht vorgelegt worden. Der CAS, der schon das UEFA-Urteil gegen Manchester City wegen Verstoßes gegen das Financial Fair Play im Fußball einkassiert hat, ist leicht rumzukriegen; schließlich entscheidet der Kläger über die Besetzung der Richterstühle mit. Russland ist letztlich gut davongekommen: Schon 2024, wenn Paris die „Jugend der Welt“ ruft, wird es als vollwertiges Mitglied zurück in der Olympischen Familie sein.

Interessant wird nun: Russland darf bis 2022 keine Großereignisse ausrichten, bringt sich aber ins Spiel, die Eishockey-WM ’21 von Belarus, wohin niemand will, zu übernehmen. Der nächste knifflige (sport)politische Fall.

Guenter.Klein@ovb.net

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