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Verschärfter Corona-Lockdown in Bayern: Das Erbe eines trägen Sommers

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  • Christian Deutschländer
    vonChristian Deutschländer
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Neulich versprachen die Ministerpräsidenten noch stabile Langfrist-Konzepte gegen Corona. Ach! Tatsächlich hält kaum eine Maßnahme länger als zwei Wochen, ehe sie von Gerichten oder steigenden Zahlen überrollt wird. Auch jetzt ist es nackte Hektik, mit der Bayern kurz vor Weihnachten den Lockdown verschärft.

Das ist kein guter Modus im Umgang mit Grundrechten. Doch leider ist ebenso klar: Nicht zu reagieren, den Kopf einzuziehen wie andere Bundesländer, wäre der größere Fehler.

Zwei Maßnahmen sind gravierend

Bayerns neue Schritte sind überwiegend richtig, und es ist auch gut, sie in Eile durchzuziehen. Sie lindern Defizite des als „light“ beschriebenen Lockdowns. Die neue Ausgangsbeschränkung klingt dabei spektakulär, ist es aber nicht. Auch die Silvester-Regeln sind durchaus angemessen. Wirklich gravierend sind zwei staatliche Eingriffe: der Schutz der Heime und das Entzerren des Schulbetriebs.

Natürlich müssen Alte und Kranke, die das Virus zu Tausenden dahinrafft, mit mehr Aufwand geschützt werden, mit Tests, Masken, Personal, harten Regeln. Genauso zentral ist die späte Erkenntnis, die Millionen Kontakte auf dem Schulweg und in Schulen zu reduzieren. Wechselunterricht leistet das leidlich und ist ab Klasse 8 in vielen Familien ohne Verwerfung möglich.

Die Heim-Strategie hätte längst stehen müssen

Söder packt zwei Schlüsselbereiche an. Recht hat er, offenbart aber Defizite seiner Regierung. Die Heim-Strategie hätte längst stehen müssen. Und lückenloser Live-Hybridunterricht wäre viel besser, hätten nicht Schulminister, Landräte und manch träger Lehrer gedacht, der neumodische Kram sei auszusitzen. Die Trägheit vom Sommer verschärft die Hektik im Advent. Die gefährlichen Zahlen bis Januar zu senken, wird für alle eine Riesenaufgabe.

Christian.Deutschlaender@ovb.net

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