Meinung

Coronavirus-Impfungen für Politiker: Das darf nicht Schule machen

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Die Nachricht klingt verheerend: Politiker und Polizisten drängeln sich beim Impfen vor. Verlangen hier Menschen mit Einfluss anderen viel ab, erlauben sich aber Sonderrechte und Klientelpolitik?

Die Fälle sind verschieden gelagert: An 300 Polizisten wurde der Ablauf mobiler Impfungen erprobt. Man kann schon fragen, ob das nötig war. Den Beamten, die im Dienst besonderen Risiken ausgesetzt sind, mag man kaum vorwerfen, das Angebot anzunehmen. Doch gilt das auch für Lokalpolitiker?

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In Halle kamen sie zur Impfung per Los in offiziellen Verfahren, die verhindern sollen, dass übriger Impfstoff verdirbt. Müssten sie dennoch Nein sagen in einer Mangelsituation, in der es potenziell um das eigene Leben geht? In einer Lage, in der überall in der Gesellschaft die Ungeduld und der Drang wachsen, Schlupflöcher zu suchen? Ehrenamtliche Stadträte mögen als Grenzfall durchgehen. Sie bestimmen nur begrenzt über Zumutungen der Pandemiebekämpfung. Aber es gäbe auch für sie beste Gründe zu Zurückhaltung. Auch sie stehen für die Politik.

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Erst recht ein Bürgermeister, der das Verfahren mitgestaltet, das ihm die Impfung beschert. Der Schaden durch Vertrauensverlust ist größer als durch ungenutzte Dosen. Noch klarer ist der Fall in Wittenberg, wo der Landrat schon vor Impfstart seine Dosis kriegt. Das ist empörenswerte Selbstbedienung, die nicht Schule machen darf.

Redaktion@ovb.net

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